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Franz Messners früher Tod mit nur 64 Jahren hat in seine Familie und in den großen Kreis seiner Freunde hineingeschnitten wie der Sensenmann aus dem alten Volkslied aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, hat Gewalt vom höchsten Gott…“ - Und dann werden sie alle aufgezählt, die schönen Blümelein: die edlen Narzissen, Rosen und Lilien, die Tulipanen gelb und weiß, das himmelfarbene Ehrenpreis. „Auch die Kaiserkronen wird er nicht verschonen…“ - Aber am Ende heißt es: „Tod, komm her, ich fürcht dich nicht, eil daher in einem Schnitt. Werd ich nur verletzet, So werd ich versetzet In den himmlischen Garten, Auf den wir alle warten.“
Der Franz und ich haben über Vieles miteinander geredet in unserer über 40-jährigen Bekanntschaft, hatten auch Anlass, über den Tod zu reden. Und ich bin sicher, das Bild vom Schnitter Tod war dem Franz nicht fremd. Er hätte sogar selbst eine Sense schmieden können, und damit umgehen konnte er auch seit seiner Jugend. Und der Natur und ihren mächtigen Kreisläufen war er immer nahe: von seiner bäuerlichen Herkunft, von Leben und Anschauung am Ritten – und aus tiefer Überzeugung.
Der „Schnitter Tod“ hat ihn nun viel zu früh versetzt in den himmlischen Garten, den uns das Lied verheißt. Es hat noch so viel auf ihn gewartet: Er war so voller Interesse an Kunst und Kultur, voller Wissbegier, wollte wieder reisen mit Erika, die dazu nun auch richtig Zeit hatte, er hatte Pläne und entwickelte Projekte, viele zusammen mit seinen Kindern David und Verena, mit denen er ein geradezu symbiotisches Gestaltungsverhältnis lebte, er hatte so eine Freude mit seinen beiden Enkelchen. Aber: „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, hat Gewalt vom größten Gott…“
So ist nun die Zeit gekommen, in sein Leben zurückzuschauen, da es zur Zukunft hin „abgeschnitten“ ist, aber – wie wir hoffen dürfen – nur „versetzet“, in einen anderen „Garten“. Wenn es nach dem Franz ginge (so stelle ich mir‘s vor), müsste es ein Garten sein wie der seines alten Mäzens Karl Nicolussi-Leck in Hoch-Frangart, für den er mehrere ganz mit der Natur verwachsende Kunstwerke geschaffen hat – und auch sein spektakulärstes, die stählerne Riesenkugel, die alle an ihn denken lässt, denen sie von weither entgegenblinkt. Ein Garten, in dem sich seine Arbeiten nicht wie Abklatsch v o n Natur, sondern wie Zeichen i n der Natur ausnehmen, die ihre Umgebung nicht dekorieren, sondern verstärken – ganz wie die Brunnen, Säulen, Schleifen, Bündel, die Franz in Gärten seiner Heimat „gepflanzt“ hat.
Aber zu dem himmlischen Garten, den ich dem Franz wünsche, gehören auch, sozusagen als Gartenpavillons der ewigen Freuden, die vielen Kirchenräume, die er hat gestalten und umgestalten dürfen, immer im Bestreben vorzudringen (und vordringen zu helfen) zur reinen Botschaft des Glaubens, die er ohne Schnörkel und Ornamente, ohne Zierat und Dekor verkündet haben wollte.
Darin haben ihm nicht immer alle seine Betrachter folgen mögen: ein Taufbecken etwa, außen rostiges Eisen, innen reiner Goldglanz, will nicht den flüchtigen Blick des mit Vorurteilen beladenen Kritikasters, sondern eine tiefere Sicht von Wert und Unwert, Material und Ästhetik, die auch widerständig sein konnte – und Widerspruch ausgehalten hat. Bis in seine Kindheitserinnerungen hinein: Der Franz hat immer anders hingeschaut als andere. So sagte er mir einmal, beim Eislaufen auf dem zugefrorenen Wolfsgrubener See hätten ihn die Spuren seiner Schlittschuhe auf dem Eis eigentlich mehr interessiert als das Körpertraining an sich.
Aber wer dem Franz ins Gesicht geschaut und all die feinen Fältchen um seine Augen herum gesehen hat, weiß auch von seinem Humor. Ein dauerhaftes Zeichen davon hat er uns Rittnern und den Gästen des Rittens am Klobensteiner Bahnhof gesetzt: den vergessenen Spazierstock als Zeichen des Vorübergehenden, und, warum nicht, auch des Ver-gehenden. Und die sich selbst bespiegelnde bronzene „Goaß“, die Franz in seiner freundlichen Ironie, vielleicht auch als eine Art Rittner Sinnbild, wie folgt charakterisiert und analysiert hat: „Sie kann fast das ganze Jahr über gemolken werden, ist ein Schmalspurler, zäh, eitel, genügsam, will gern fotografiert werden und streikt nie.“
Ach, lieber Franz, dürften wir es doch weiterhin haben, Dein spezielles Gemüt aus Tiefe und Humor! – Aber wir wollen nicht klagen: Deine Frau Erika, Deine Kinder David und Verena, Deine Enkel und Deine Angehörigen und Freunde wollen und sollen Dich mit einem freundlichen Bild in liebender Erinnerung behalten. Und so stellen wir uns einfach vor, Du säßest an Deinem „Runden Tisch“ am Schwarzseespitz im Rittnerhorn-Gebiet oder in einem der Klappsessel Deines Vöraner „Knottnkinos“ und schautest hinunter ins Tal, hinüber zu den Bergen, hinauf zu den ziehenden Wolken – und könntest n u n noch viel weiter schauen: in jenen blühenden, ewigen Garten Gottes, aus dem Dich nun kein Schnitter Tod mehr vertreiben kann!
Inga Hosp, Grabrede für Franz Messner, gehalten beim Begräbnis am Montag, 30. Jänner 2017 in Lengmoos